26.06.2010 | 1.Männer : Güstrower SC 09 - FC Hansa Rostock 0:8 (0:4) | Drucken |

Junge, neu zusammengestellte Truppe des Güstrower SC hielt sich achtbar gegen Hansa / 0:8 bisher bestes Resultat

10:0, 9:0 und 11:1 hieß es bei bisherigen Vergleichen Hansa gegen Güstrow in der Nachwendezeit. Freundschaftsvergleiche, bei denen der Rostocker Club bisher aber erst- bzw zweitklassig war. Jetzt, in den Niederungen der 3. Liga, sollte der FCH vielleicht zu packen sein, wird mancher Güstrower Fan vor dem gestrigen Spiel im Jahnstadion gedacht haben. Zumal erstmals die Creme des aktuellen Güstrower Fußballs unter einem Dach vereint mit geballter Macht auftreten konnte. Doch spätestens das 9:0 Hansas am Tag zuvor bei Verbandsligist Neubrandenburg schraubte die Erwartungen auf ein ernüchterndes Maß. Möglichst nicht zweistellig verlieren und vielleicht wieder ein Tor erzielen, lautete die sportliche Zielstellung, die bei solchen Vergleichen zwischen David gegen Goliath auch nur eine eher mentale darstellt. Das gestrige Spiel war schließlich zugleich die Taufe für das neue Landesliga-Team des Güstrower SC, zusammengestellt aus den beiden landesliga-tauglichen Vereinen VfL und PSV, die sich erst zusammenraufen müssen.
Den größten Jubel freilich gab es bereits unmittelbar vor dem Anstoß. Gerade mal eine Halbzeitlänge zuvor ging in Leverkusen das Finale um die deutsche Meisterschaft der A-Junioren zu Ende – und der Sieg des Hansa-Nachwuchses begeisterte ausnahmelos jeden der 1000 Fans im Rund.


 
Nachwuchs – ein Stichwort speziell auch für die Güstrower. Denn was da Trainer Michael Küppers auflaufen ließ, lässt aufhorchen: Von zwei Ausnahmen abgesehen, standen in der Schlussviertelstunde Spieler zwischen gerade mal 18 und 21 Jahren auf dem Platz. Die Ausnahmen: Wechseltorwart Sandro Krywizniak und Abwehrspieler Stefan Schult (beide ehemals PSV) bekamen zum Abschied vom leistungsorientierten Sport einen Einsatz. Was den neuen alten Coach aber besonders freute, war die Einsatzbereitschaft seiner Spieler. Küppers: „Das wollte ich sehen. Spielerisch muss sich die Mannschaft noch finden, auch die Systemumstellung auf zwei Sechser ist für sie ja neu.“
Gefallen hat’s Fan Kurt Kleinpeter dennoch schon, was er gesehen hat: „Man muss erwähnen, dass sie immerhin besser als Neubrandenburg waren.“ Auch Maik Mizera, der als Fan vom Fischerweg mit ins Jahnstadion „umzieht“, meinte, der GSC habe sich gut geschlagen. „Ich denke mal, wenn sich die Mannschaft gefunden hat, wird sie eine schlagkräftige Truppe werden.“ 
Sie waren gestern Nachmittag wohl die Allerglücklichsten: die F-Buben des Güstrower SC, die als Auflaufkids dabei waren.
 
Heiß begehrte Autogramme waren gestern schnell zu schreiben. Genau 22 Minuten nach dem Abpfiff fuhr der Hansa-Bus schon gen Rostock – das WM-Spiel lockte auch die Profis.
 
Hansa-Trainer Peter Vollmann schien jedenfalls noch nicht ganz schlüssig zu sein, wozu sein Team schon fähig ist. „Mitunter etwas müde schienen mir einige Aktionen, viele Pässe wurden zu schlampig gespielt.“ Aber der Hansa-Coach steht ja vor einer ähnlichen Aufgabe wie sein Güstrower Kollege: Neuaufbau heißt die Devise. Von einer „Wundertüte“ sprach denn auch Güstrows neuer Co-Trainer Marco Redies. Gemeint haben könnte er damit beide Vereine.

Schwarz und langärmlig: Die Sache mit den Trikots
Hochsommerliche 28 Grad im Schatten – und der Güstrower SC spielt in schwarzen Trikots lang! Ein besonderer Härtetest sollte das jedoch nicht sein, der Grund war ein logistischer. Denn der GSC hat momentan nur zwei Trikotsätze, die die Spieler auch als zum Güstrower SC 09 zugehörig ausweisen. Das Equipment muss halt per á peu aufgefüllt werden, nicht alles geht auf einmal. Dumm nur, dass neben erwähntem schwarz und lang ein kurzärmeliger Satz nur in blau existiert. Doch Blau ist die Hansa-Farbe! Also blieb den Güstrowern nichts übrig, als lang anzuziehen. Da wurden halt die Ärmel hochgekrempelt – sogar dreifach. 
 

FC Hansa startet in der Vorbereitung durch

Drittligist FC Hansa Rostock startete am Wochenenden mit zwei Siegen in die Testspielserie. Die Schützlinge von Trainer Peter Vollmann gewannen gestern beim Fußball-Landesligisten Güstrower SC mit 8:0.
Die Rostocker begannen im Jahnstadion vor 1000 Zuschauern wie die Feuerwehr und gingen bereits nach drei Minuten durch Mohammed Lartey mit 1:0 in Führung. Der Gastgeber hatte nur wenig entgegenzusetzen. Allerdings hätte Steven Licher in der 22. Minute den Ausgleich erzielen müssen. Doch sein Sololauf auf Hansa-Keeper Jörg Hahnel zu scheiterte am eigenen Nervenkostüm. Der Ball ging am Tor vorbei. Es sollte die einzige 100prozentige Chance im Spiel für den GSC werden. Der Drittligist, der sich sehr laufstark, spielfreudig und einsatzbereit zeigte, machte es besser und erhöhte noch vor der Pause durch zwei Treffer von Marcel Schied und einem Tor von Radovan Vujanovic auf 4:0.
Nach dem Wechsel nutzten die Trainer beider Teams das volle Auswechselkontingent. Zudem mussten die Barlachstädter dem hohen Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollen. Hansa konnte nun nach Belieben kombinieren. Davon profitierte vor allem Einwechsler Enrico Neitzel, der alle vier Tore für seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit erzielte. Rostocks Sieg hätte noch höher ausfallen können, doch Malik Bolivard verschießt einen Foul-Elfmeter (59.).

Güstrow: Nack – Puschik, Dietrich, Werth, M. Barachini, Licher, Bildhauer, Koß, Meier, Bohnet, Hagemann. Eingewechselt: Schult, Schollmeier, Müller, Bohn, Heinrich, T. Barachini (jeweils 46.), Krywizniak, Liefke (jeweils 69.).
Hansa: Hahnel – Langen, Wiemann, Gusche, Pelzer, Lartey, Evljuskin, Jänicke, Lange, Schied, Vujanovic. Eingewechselt: Kerner, Becker, Großöhmichen, Bolivard, Neitzel, Schyrba, Müller.

SVZ vom 28.06.2010